ChatGPT in der Zürcher Bildung: Podiumsdiskussion

Im Auftrag des Mittelschul- und Berufsbildungsamts des Kantons Zürich hat der Digital Learning Hub im April 2023 eine Veranstaltungsreihe zu KI/ChatGPT gestartet. Die Podiumsdiskussion vom 3. April 2023 stellte den Auftakt der Reihe dar (1. Teil). Aus der Perspektive der Zürcher Hochschulen werden die Entwicklungen eingeschätzt sowie die Veränderungen in Studium und Forschung und deren Implikationen für die Sek. II diskutiert. Kürzlich haben sich Expertinnen und Experten aus der Schweiz zu einer online geführten Podiumsdiskussion zusammengefunden:

MITWIRKENDE

  • Ruth Fulterer, Journalistin, Ressort Wissenschaft und Technologie, NZZ – Moderation
  • Prof. Dr. Barbara Getto, Professorin für Medienbildung am Zentrum Bildung und Digitaler Wandel der PHZH, Mitglied Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen (DIZH)
  • Dr. Thomas Hidber, Leiter Lehrentwicklung Universität Zürich und Mitglied Digital Society Initiative
  • Prof. Dr. Alice Delorme Benites, Leitung Professur Mensch-Maschine-Kommunikation, Institutsleitung Übersetzen und Dolmetschen, ZHAW, Mitglied im Kompetenzzentrum für Generative KI
  • Philippe Wampfler, Autor, Lehrer, Kulturwissenschaftler. Lehrt Fachdidaktik Deutsch an der Universität Zürich

Hier eine kurze Zusammenfassung der Eingangsstatements:

  • Frau Prof.’in Getto hat vor der Diskussion ihre Gedanken schriftlich festgehalten und vorgestellt. In ihrem Zwischenfazit sieht sie die Referenzschleifen zwischen KIs als problematisch an, da sie zu unkontrollierbaren Parallelverhalten führen können. Das Prüfungsproblem sieht sie als rechtliches Problem, aber sie denkt, dass Verbote und Wettrüsten nicht die Lösung sind. Stattdessen sollten die didaktischen Spielräume genutzt werden, um Studierende zu motivieren. Frau Getto ist dafür, weniger Kontrollmechanismen zu haben und stattdessen werteorientierte Diskurse zu fördern.
  • Frau Prof.’in Delorme Benites begrüßt in ihrem Eingangsstatement, dass es in der aktuellen Situation viel Panik und Aufregung gibt. Sie hat bei der Einführung der maschinellen Übersetzung genau das vermisst: Zu nahezu kommentarlos wurde damit gearbeitet. Die aktuelle Panik trägt dazu bei, dass nun Debatte und die Auseinandersetzung stattfinden. Sie betont, dass es wichtig ist, nicht gegen die Maschine zu kämpfen, sondern zu lernen, mit ihr zusammenzuarbeiten und verweist darauf, dass Nutzung von (z. B.) Übersetzungs-KIs im Beruf erwartet wird, was eine doppelte Herausforderung darstellt. Daher wurde in ihrer Forschungsgruppe vor allem darüber diskutiert, wie man am besten mit diesen Werkzeugen umgeht.
  • Dr. Hidber als nächster Diskutant merkt an, dass die Breite des Themas an der Uni sehr groß ist, da es sich über viele Fachbereiche und Fakultäten erstreckt. Es wurden bereits Veranstaltungen durchgeführt, um den Austausch zwischen den Fakultäten zu fördern und die Sensibilisierung zu erhöhen. Es stellen sich jedoch viele Fragen bezüglich der Lehre, schriftlichen Arbeiten, Prüfungen und der Selbstverantwortung der Lehrenden und Studierenden. Ein wichtiger Aspekt, der seiner Ansicht nach noch nicht ausreichend besprochen wurde, ist die Frage der akademischen Integrität und was Wissenschaft überhaupt in Zukunft bedeuten wird. Er sieht darin das größte Reputationsrisiko für die Akademie und betont, dass es wichtig ist, die akademische Integrität neu zu definieren und glaubwürdig nach außen zu betreten. Dies ist eine große Herausforderung, die angegangen werden muss, um den Beruf und die Akzeptanz der Wissenschaft insgesamt zu sichern.
  • Philippe Wampfler beschreibt in seinem Intro seine Erfahrungen mit dem Einsatz von KI-Tools im Schreibunterricht, insbesondere zur Unterstützung der Schüler*innen beim Schreibprozess, bei der Ideenfindung und beim Korrekturlesen. Er betont, wie wichtig es ist, diese Werkzeuge zu nutzen, um den Schreibprozess zu verbessern, anstatt sich ausschließlich auf sie zu verlassen, um die Aufgabe zu erledigen. Er räumt auch das anfängliche Misstrauen und die Bedenken im Zusammenhang mit dem Einsatz von KI-Tools ein, weist aber darauf hin, dass die Schüler*innen mit der richtigen Anleitung und Unterweisung von der Technologie profitieren können. Philippe spricht über die Notwendigkeit, Schreibaufforderungen zu wählen, die nicht einfach von KI generiert werden können, und sich stattdessen auf lokale und spezifische Themen zu konzentrieren, die individuelle Kenntnisse und Einsichten erfordern. Er stellt abschließend einen Link zu einem Merkblatt zur Verfügung, den er erstellt hat, um Lehrkräften dabei zu helfen, den Schüler*innen den effektiven Einsatz dieser Tools beizubringen.

Schulen wie Hochschulen treiben vergleichbare Diskussionen um Chancen und auch Ängste und Risiken rund um den Umgang mit den Tools der KI um. Die Podiumsdiskussion machte bei einigen Aspekten deutlich, wie wichtig ein in beiden Bildungssystemen gemeinsam entwickeltes Verständnis über den „richtigen“ Weg erscheint.

KI-Bildgenerator der Fa. Microsoft nun kostenfrei

Microsoft bietet schon immer kostenfreie Bildbearbeitungsprogramme an, darunter Paint und Paint 3D. Paint ist eine einfache Bildbearbeitungssoftware, die auf Windows-Computern vorinstalliert ist und grundlegende Funktionen wie das Zeichnen von Formen, das Hinzufügen von Text und das Zuschneiden von Bildern bietet. Paint 3D ist eine erweiterte Version von Paint, die 3D-Modelle erstellen und bearbeiten kann. Darüberhinaus sorgt die Firma dafür, dass ihre Tools auch innerhalb der Officepakete integriert sind.  So ist es auch innerhalb von PowerPoint oder Word möglich, Bilder zu erstellen oder zu bearbeiten, indem Grafiken oder Bilder in eine Präsentation oder ein Dokument eingefügt und dann angepasst werden.

Image Creator ist ein neues Tool von Microsoft Bing, das auf dem Dall-E-Modell basiert und es Benutzern ermöglicht, eigene Bilder zu erstellen. Der Image Creator generiert AI-Bilder basierend auf einem Text. Der Image-Creator ist kostenlos und kann in der Browser-Version von ChatGPT in Bing genutzt werden.

Es gibt eine Reihe von Blogbeiträgen, die sich mit dem Tool befasst haben:

Bild erzeugt mit Image Creator und folgendem Prompt: Use of image creator in schools

Die Sorge vor der Killer-KI

KI besorgt zunehmend Experten:

  • Erst diese Woche haben 1.300 Menschen, darunter Tesla-Chef Elon Musk, Apple-Mitgründer Steve Wozniak und Historiker Yuval Noah Harari, haben einen offenen Brief unterzeichnet. Die Forderung: Eine Pause für Künstliche Intelligenz.
  • Italiens Datenschutzbehörde hat den KI-basierten Chatbot ChatGPT vorerst sperren lassen. Das Textverarbeitungsprogramm habe Datenschutz- und Jugendschutzregeln nicht eingehalten, hieß es von der italienischen Datenschutzbehörde. Es wurden Ermittlungen eingeleitet.

Und es gibt – vor allem im deutschsprachigen Sprachraum – gegesätzliche Positionen:

 

Petitionsaufruf: Einsatz regulieren

Während die Diskussion rund um KI im deutschen Bildungssystem bisher eher eine Randerscheinung war, hat sich dies seit der kürzlichen Veröffentlichung von ChatGPT und vergleichbaren generativen Transformern zu einem sehr intensiven Diskurs gewandelt mit einer hohen Eigendynamik. Einige Hochschulen haben bereits begonnen, KI-Dienste in ihr Serviceportfolio aufzunehmen und für Studierende anzubieten. Zugleich gibt es bereits erste Handreichungen zum Umgang mit ChatGPT für Studierende und Lehrende sowie Rechtsgutachten zur Nutzung dieser Dienste und Stellungnahmen und Einschätzungen aus der Wissenschaft, die auch erste ethische Dimensionen skizzieren.

Die Unterzeichnenden begrüßen die Nutzung von digitalen Technologien zur Verbesserung von Bildungschancen und zum Umgang mit heterogenen Gruppen von Lernenden. Zur gleichen Zeit zeigen die Unterzeichnenden sich überrascht über die Geschwindigkeit, mit der KI-Dienste Einzug halten in die Landschaft der Hochschulen ohne vorherige Prüfung der ethischen Rahmenbedingungen und der potenziellen Effekte des Einsatzes. Die Datenlage zu Effekten des Einsatzes KI-basierter Systeme im Bildungsbereich ist spärlich und es herrscht ein Paradigma der algorithmischen Optimierung auf Basis vorhandener Daten vor anstatt der kontrollierten Implementation mit evidenzbasierter Überprüfung auch nicht gewünschter Seiteneffekte.

Aufruf

Aus diesem Grund wird zur Unterzeichnung einer Petition mit folgenden Forderungen aufgerufen:

  • Die vorherige ethische Prüfung von KI-basierten Systemen, die im deutschen Bildungssystem zum Einsatz kommen sollen
  • Die transparente und nachvollziehbare Information von Studierenden und Lehrenden bei der Nutzung dieser Systeme über Datenströme und Umgang mit den Daten sowie die Möglichkeit des Opt-Out
  • Die deutliche Kennzeichnung von Verantwortlichkeiten bei der Implementation von KI-basierten Systemen
  • Die Verminderung eines durch die Datenbasis gegebenen Verzerrungseffektes (Bias)
  • Die präferierte Nutzung von offenen Sprachmodellen, die nicht in der Hand von Firmen mit kommerziellen Interessen liegen, sondern einem Open-Source-Gedanken folgen und transparent und nachvollziehbar sind
  • Die Aufklärung der Nutzenden, dass diese über die Nutzung an der Optimierung des Sprachmodells mitwirken
  • Die Sicherstellung des Vorrangs menschlichen Handelns und der menschlichen Aufsicht vor automatisierten Entscheidungsketten
  • Die staatliche Förderung von Bildungsprogrammen zur Aufklärung über die Funktionsweisen von KI und Algorithmen
  • Die Pilotierung von KI-basierten Systemen im Bildungsbereich vor der Implementation derartiger Dienste und Formate
  • Die Auflegung eines Förderprogramms zu ethischen Dimensionen des Einsatzes KI-basierter Systeme im Bildungsbereich

Wie hoch ist eigentlich der Energieaufwand bei KI-Systemen?

Der Energieverbrauch von Künstlicher Intelligenz (KI) ist in den letzten Jahren aufgrund des exponentiellen Wachstums der KI-Modelle und der steigenden Anforderungen an Rechenleistung und Energie immer mehr in den Fokus gerückt. Jörg Schieb geht in seinem Beitrag Wie hoch ist eigentlich der Energieaufwand bei KI-Systemen? ausführlich auf Energieverbrauch und dessen Faktoren von KI-Systemen ein, und zeigt Auswirkungen auf die Umwelt und deren Kosten auf.

Weitere Fakten lassen sich einem Beitrag Energie – HIDDEN aus der ZEIT vom 30.3.2023 entnehmen:

  • Für den Betrieb von ChatGPT fallen Schätzungen zufolge Kosten in Höhe von 100.000 bis 700.000 US-Dollar pro Tag an.
  • Jede Frage an ChatGPT benötigt 1000 Mal so viel Strom wie eine Suchanfrage bei Google.
  • Das Training von ChatGPT 3.0 verbrauchte 1.287 Gigawattstunden Strom. Das entspricht dem durchschnittelen Jahresverbrauch von 120 US Haushalten.

Bildnachweis: Gerd Altmann auf Pixabay

Applai.me verfasst Bewerbungsschreiben

Konstantin Lobanov hat eine App namens Applai.me entwickelt, die automatisch Bewerbungsschreiben verfasst. Die Anwendung basiert auf ChatGPT, einem Modell der künstlichen Intelligenz (KI), und nutzt Schlüsselwörter, um den Lebenslauf des Bewerbers für die jeweilige Stelle zu optimieren. Die App erstellt auch ein Motivationsschreiben und bietet maßgeschneiderte Fragen für das Vorstellungsgespräch. Viele Start-ups sind der Meinung, dass die Berufsbezeichnungen zu vielfältig und vage geworden sind, so dass es schwierig ist, die Qualifikationen eines Bewerbers aus seinem Lebenslauf zu entnehmen. Lobanov ist der Meinung, dass ein personalisierter Lebenslauf wichtig ist, da viele Unternehmen KI einsetzen, um Lebensläufe nach bestimmten Schlüsselwörtern zu durchsuchen. Applai.me scannt Stellenausschreibungen, um potenzielle Schlüsselwörter zu identifizieren, und schlägt sie dem Bewerber vor, um seinen Lebenslauf zu optimieren. Die App hilft den Bewerbern auch bei der Verbesserung ihrer Anschreiben und bietet auf die Stelle zugeschnittene Interviewfragen.

Artikel von NIna Anika Klotz (Businessinsider.de):  Dieser 23-jährige Gostudent-Mitarbeiter hat eine App gebaut, die eure Bewerbungen schreibt bzw. Nie mehr Bewerbung schreiben – diese App übernimmt Lebenslauf, Anschreiben und Co. (WELT.de)